Vorarlberger Sozialpartner übernehmen Überbetriebliche Ausbildungszentren

Die Wirtschaftskammer Vorarlberg und die Arbeiterkammer Vorarlberg haben rückwirkend mit 1. Jänner 2016 die Überbetrieblichen Ausbildungszentren (ÜAZ) mit den Standorten Hohenems und Rankweil von der Lebenshilfe Vorarlberg übernommen.

Jugendliche mit Benachteiligungen, die trotz engagierter Suche keine Lehrstelle finden oder ihre Lehre abbrechen mussten, haben seit dem Jahr 2005 die Möglichkeit, in den ÜAZ in Hohenems und Rankweil eine duale Ausbildung zu absolvieren. Neben einer betrieblichen, praxisorientierten Ausbildung findet die schulische Ausbildung an der zuständigen Landesberufsschule statt. Darüber hinaus erhalten die Lehrlinge in diesem ganzheitlichen Ausbildungsmodell eine zusätzliche sozialpädagogische Unterstützung. Aktuell sind rund 130 Jugendliche in den Vorarlberger ÜAZ beschäftigt.

Sozialpartner: Bekenntnis zur dualen Ausbildung für alle Jugendlichen

Rückwirkend mit 1. Jänner 2016 haben die Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) und die Arbeiterkammer (AK) Vorarlberg die ÜAZ von der Lebenshilfe nach deren zehnjährigem, hervorragenden Engagement übernommen. Die Gesellschaftsanteile werden im Verhältnis 50:50 aufgeteilt. „Uns als Sozialpartner ist eine attraktive Lehrlingsausbildung ein großes Anliegen“, erklärt KommR Manfred Rein, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg das Engagement der Sozialpartner für die ÜAZ und betont: „Dieses Engagement ist Ausdruck unseres Bekenntnisses für eine qualitativ hochwertige duale Ausbildung für alle Jugendlichen im Land. Wir spüren schon jetzt die Auswirkungen einer immer älter werdenden Gesellschaft, deshalb ist es für uns wegweisend, die vorhandenen Potenziale optimal zu nutzen und allen Jugendlichen eine qualitätsvolle Lehrlingsausbildung zu ermöglichen. Für Jugendliche, die es nicht in eine betriebliche Ausbildung schaffen, kommen wir diesem Ziel mit der Übernahme der ÜAZ einen großen Schritt näher.“

Kompetenz unter Beweis stellen

„Für uns als Arbeitnehmervertreter ist insbesondere die Qualität der dualen Ausbildung wichtig, nur fachlich gut ausgebildete Mitarbeiter haben langfristig eine Chance auf dem Arbeitsmarkt“, sagt AK-Präsident Hubert Hämmerle. Den Sozialpartnern sei es wichtig, nicht nur Forderungen zu stellen und zu reden. Mit der Übernahme der ÜAZ könne man auch in der praktischen Umsetzung Kompetenz unter Beweis stellen. „Wir haben in Sachen Lehrausbildung enormes Wissen in unseren Fachabteilungen, auf das wir aufbauen können. Wir freuen uns darauf, die überbetrieblichen Ausbildungszentren in ihrer künftigen Entwicklung zu unterstützen“, betont Hämmerle.
Michaela Wagner, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Vorarlberg, informiert: „Wir sind sehr stolz auf die erfolgreiche Entwicklung des ÜAZ in den vergangenen Jahren und vor allem darauf, dass zahlreiche Jugendliche mit der qualitativ sehr guten Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen konnten. Wir hoffen, dass die neuen Eigentümer das Unternehmen in diesem Sinne weiterführen werden. Unser integratives Ausbildungszentrum, zu dem unter anderem das Hotel Viktor zählt, führen wir weiter und werden uns noch stärker auf die Sprungbrettfunktion für Menschen mit Beeinträchtigungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt konzentrieren.“

Fokus: Vernetzung und Kooperation

Es gehe jetzt vor allem um Kontinuität – also darum, den erfolgreich eingeschlagenen Weg der Lebenshilfe weiterzugehen, betonten die Vertreter von Wirtschafts- und Arbeiterkammer. Bestehende Synergien zwischen ÜAZ, Lehrbetrieben und Berufsschulen sollen künftig noch stärker genutzt werden. Auch die Ausbildungsstarthilfe soll weiter forciert werden. „Hier gilt es, die Kooperationen mit ausbildenden Betrieben noch stärker auszubauen und dieses hilfreiche Instrument weiterzuentwickeln“, informiert WKV-Präsident Rein. Auch eine Erweiterung der in den ÜAZ angebotenen Lehrberufe ist im Gespräch.


Das ÜAZ bietet für Jugendliche mit Benachteiligungen duale Ausbildungen.

Aktuell sind rund 130 Jugendliche in den Vorarlberger ÜAZ beschäftigt.