Neuer Leitfaden – Begleitung bei Demenz bestmöglich gestalten
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Demenz zu erkranken – bei Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen jedoch deutlich früher und häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. Um Fachkräfte, Angehörige und Unterstützer*innen in der Begleitung gezielt zu stärken, hat die Lebenshilfe Österreich den neuen praxisnahen „Leitfaden Demenz“ veröffentlicht.
Der Leitfaden orientiert sich am Leitbild der Lebenshilfe Österreich und bietet einen klaren Orientierungs- und Handlungsrahmen für eine personenzentrierte Begleitung. Ziel ist es, fachliche Standards mit menschlicher Zuwendung zu verbinden und zugleich praxisnahe Hilfen für Pflege, Betreuung und Umfeldgestaltung zu geben. Damit soll Menschen mit Behinderungen und Demenz – insbesondere bei Trisomie 21 – ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben ermöglicht werden.
Der Leitfaden wurde von einer Arbeitsgruppe erarbeitet, die aus Vertreter*innen verschiedener österreichischer Lebenshilfen bestand und von Andreas Dipold, Geschäftsbereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe Vorarlberg, koordiniert wurde. Dr.in Adriane Feurstein, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, und Dr.in Mariana Kranich, Ärztin für Psychogerontologie, begleiteten das Projekt als externe Expertinnen.
Hintergrund und Motivation
Österreichweit ist – auch in den Einrichtungen der Lebenshilfen – ein deutlicher Anstieg von Demenzerkrankungen bei Menschen mit Behinderungen zu beobachten. Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die Gedächtnis, Sprache, Orientierung und Verhalten beeinträchtigt. Die Belastung für Betroffene, ihr Umfeld und Begleitpersonen ist enorm. Gleichzeitig haben Menschen mit Behinderungen das Recht, möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld zu leben – ein Ziel, das auch im „Nationalen Aktionsplan“ der Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen festgeschrieben ist. Bestehende diagnostische Verfahren greifen bei Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen oft nicht, obwohl eine frühzeitige Diagnose entscheidend ist, um passende Unterstützungsmaßnahmen einzuleiten und den Umgang individuell zu gestalten.
Andreas Dipold, Koordinator der Arbeitsgruppe, und Dr. Adriane Feurstein betonen die Notwendigkeit gezielter, strukturierter Maßnahmen in Betreuung und medizinischer Behandlung, um den Bedürfnissen dieser Klient*innen bestmöglich gerecht zu werden. Der neue Leitfaden soll dabei als praxisnahes Werkzeug dienen, Betreuungssituationen sicherer zu gestalten und zugleich Ängste sowie Vorurteile abzubauen.
Handlungsfelder
Der Leitfaden umfasst zentrale Bereiche, die für eine gelingende Begleitung entscheidend sind – darunter Beziehungsarbeit, Biografiearbeit, eine an den Demenzstatus angepasste Kommunikation, ein demenzgerechtes Wohnumfeld sowie gute externe Vernetzung. „Multiprofessionelle Teams und Partner, wie die Hauskrankenpflege, Therapien oder Hospizdienste sind wichtige Ressourcen. Mitarbeitende und Angehörige benötigen zudem Wissen, Reflexion und Supervision, um den Herausforderungen gut begegnen zu können“, erklärt Maria Fröis, Leiterin des Pflegefachteams der Lebenshilfe Vorarlberg und Mitglied der Arbeitsgruppe.
Fortbildungen
Seit mehreren Jahren bietet die öffentliche Akademie der Lebenshilfe Vorarlberg Fortbildungen zu Demenz und Behinderungen an. Ergänzend finden interne Schulungen, Coachinggespräche und Beratungen vor Ort durch das Kompetenznetzwerk „Alter, Pflege und Gesundheit“ statt. Dabei geht es nicht nur um allgemeine Kompetenzen, sondern auch um die individuelle Situation der Klient*innen, die jeweiligen Standortbedingungen und das soziale Umfeld.
Nächste Schritte
Der neue Leitfaden soll in allen Lebenshilfen Österreichs als fundierte, praxisnahe Grundlage für die Begleitung von Menschen mit Behinderungen und Demenz dienen. Zudem ist ein ergänzendes Fortbildungstool geplant, das Fachkräften zusätzliche Unterstützung im Alltag bietet. Als Dachverband will sich die Lebenshilfe Österreich auch politisch für gute Rahmenbedingungen einsetzen. Denn ein gutes Leben mit Demenz ist möglich – auch für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen.
Den gesamten „Leitfaden Demenz“ finden Sie hier:
