Eine Region gemeinsam für Inklusion

Politische Teilhabe von Menschen mit Behinderungen stand am Montag, den 11. Dezember 2017, im Mittelpunkt eines Drei-Länder-Treffens im Landhaus in Bregenz.

Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter aus der Bodenseeregion luden ihre politischen Landesvertreter aus Vorarlberg, Deutschland und der Schweiz zu einem gemeinsamen Treffen ein. Im Landhaus in Bregenz überreichten sie Landesrat Christian Bernhard, Landrat Lothar Wölfle vom Landratsamt Bodenseekreis Friedrichshafen und Regierungsrat Martin Klöti aus St. Gallen ihre überarbeitete Bodensee-Deklaration.

In einem einstündigen Gespräch tauschte man sich mit den Politikern über die Forderungen der Selbstvertretungs-Gruppe aus. Dabei betonte LR Bernhard: „Der Sinn der Inklusion besteht darin, dass es normal ist, verschieden zu sein und dass jeder Mensch – mit und ohne Behinderungen – im gesellschaftlichen Leben überall dabei sein kann." Den Selbstvertreterinnen und Selbstvertretern komme dabei eine wichtige Rolle zu. „Als Expertinnen und Experten in eigener Sache engagieren sie sich für ein Leben in Eigenständigkeit, Barrierefreiheit, für mehr Mitsprache und Mitbestimmung", so Bernhard.

Im Dialog zeigte sich auch, dass besonders dem Aspekt der Kommunikation als Grundlage für ein selbstverständliches Miteinander große Bedeutung zukommt. Gerade auch wenn es darum geht Berührungsängste abzubauen und gegenseitiges Zutrauen aufzubauen. Besonders in der Verwaltung, im Umgang mit Behörden ist es wichtig, Barrieren durch leichte Sprache abzubauen. Siegfried Glössl, Selbstvertreter der Lebenshilfe Vorarlberg betonte aber auch die Notwendigkeit von geschulten Personen, „die einem Menschen mit Behinderungen verständlich alles erklären können und sich Zeit nehmen, so lange es eben dauert."

Mehr Teilhabe ermöglichen

Die Selbstvertretungs-Gruppe brachte auch das neue Teilhabegesetz des Landes Tirol ins Gespräch. Hier ist vorgesehen eine sogenannte „NutzerInnen-Vertretung" bei allen politischen Belangen mit einzubeziehen. „Das möchten wir auch in Vorarlberg haben. In Deutschland gibt es den Landes-Behinderten-Beirat und in der Schweiz nichts vergleichbares. In Vorarlberg sollten zum Beispiel regelmäßig Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter aller Organisationen mitreden dürfen. Das ist bis jetzt nicht überall der Fall", betonte Klaus Brunner, Selbstvertreter der Lebenshilfe Vorarlberg, bei dem Treffen. Landesrat Bernhard bestätigte, dass die Einbindung bisher „nicht so optimal funktioniert hat", man das aber ab sofort ändern wolle.

Regierungsrat Martin Klöti aus St. Gallen erklärte dazu: „In der Schweiz haben wir einen Wirkungsbericht verfasst, der aktuell bei unseren Selbstvertreterinnen und Selbstvertretern zur Kontrolle vorliegt. Mit Ende 2018 soll dieser Wirkungsbericht in der Regierung abgesegnet werden und die Maßnahmen für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen umgesetzt werden."

Auf die Frage was sich die Politiker von den Menschen mit Behinderungen erwarten, erwiderte Landrat Lothar Wölfle aus Friedrichshafen: „Wichtig um die Teilhabe aktiv zu leben ist, dass Menschen mit Behinderungen sich selbst einbringen. So wie bei diesem Treffen und ihre Anliegen vorbringen. Was ich mir nun ansehen werde, ist wie wir politische Verantwortliche in die Gremien bekommen, Barrierefreiheit in den Öffentlichen Verkehrsmitteln umsetzen und eine spezielle Schulung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landratsamt."

Erweiterung der Bodensee-Deklaration

Die einzelnen Artikel der Bodensee-Deklaration thematisieren Lebensbereiche wie Wohnen in der Gemeinde, inklusive Bildung, politische Teilhabe, Behinderung in Medien usw. und soll zukünftig noch um andere Bereiche erweitert werden. Ihre Verbreitung wird auf eine künftige Vier-Länder-Region ausgedehnt, sobald auch im Fürstentum Liechtenstein Strukturen der Selbstvertretung installiert sind.

 

Die aktualisierte Bodensee-Deklaration und Infos zur Entstehung zum Herunterladen:


Die Bodensee-Deklaration in leichter Sprache zum Herunterladen: