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„Tag der Menschen mit Behinderungen“: Lebenshilfe fordert erneut „Gehalt statt Taschengeld“

Anlässlich des internationalen „Tag der Menschen mit Behinderungen“ am 3. Dezember fordert die Lebenshilfe Vorarlberg für Menschen mit Beeinträchtigungen erneut Arbeitsplätze am allgemeinen Arbeitsmarkt und eine angemessene Entlohnung. Denn nur so ist eine sozialrechtliche Gleichstellung möglich – und damit gelebte Inklusion.

Nur wer am allgemeinen Arbeitsmarkt arbeitet und damit ein angemessenes Gehalt erhält, ist gesetzlich mit einer Kranken- und Pensionsversicherung abgesichert. Neben der arbeits- und sozialrechtlichen Gleichstellung, erfahren Menschen mit Behinderungen durch die Eingliederung in den Arbeits­markt auch Wertschätzung für ihre Leistung und die selbstverständliche Teilhabe (Inklusion) wird aktiv gelebt. „Wir sind über­zeugt, dass auch Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf – mit entsprechender Assistenz – ebenfalls zeigen können, wo ihre Stärken liegen. Eine entsprechende Entlohnung für die erbrachte Leistung sollte daher, wie für alle Erwachsenen, üblich sein“, erklärt Lebenshilfe-Geschäftsführerin Michaela Wagner-Braito.

Erfolgreiche Vermittlung

Christoph Maurer leitet fünf Interspar Restaurants und drei Café Cappuccinos. Er und sein Team ermöglichen seit Jahren Menschen mit Behinderungen einen integrativen Arbeitsplatz. „Neben anderen Organisationen arbeiten wir auch mit der Lebenshilfe Vorarlberg zusammen. Aktuell beschäftigen wir sechs Menschen mit Beeinträchtigungen, für vier davon ist Andreas Pap von der Lebenshilfe unser Ansprechpartner. Er betreut uns bei allen Anliegen ideal und ein weiterer Arbeitsplatz im Interspar Restaurant Bürs ist geplant. Gerne ermöglichen wir auch weiteren Menschen mit Behinderungen einen Arbeitsplatz in unserem Team. Denn sie bringen viel mit, wie zum Beispiel Motivation und Verlässlichkeit. Sie fördern auch die Sozialkompetenz meiner Mitarbeitenden. Ihre Arbeit ist genauso wichtig, wie die der anderen und dafür erhalten sie ein entsprechendes Gehalt“, so Geschäftsführer Christoph Maurer.  

Anna Fetz arbeitet seit Oktober im Café Cappuccino im Messepark. Die 33-Jährige absolvierte zunächst das LOT-Programm – Lernen-Orientieren-Trainieren. Ein zweijähriges Angebot der Lebenshilfe Vorarlberg für berufliche Qualifizierung und Weiterbildung. „Noch vor Abschluss konnte Anna Fetz im Interspar Restaurant Bregenz schnuppern. Als Küchengehilfin überzeugte sie und wurde eingestellt. Nachdem das Restaurant umgebaut wird, arbeitet sie nun bis Juni im Café Cappuccino. Hier wechselt sie sich mit Melanie Jäger, die ebenfalls das LOT-Programm absolviert hat, ab. Beide sind bestens ins Team integriert und haben mit Dagmar Metzler eine ideale Kollegin, die sie dort unterstützt wo es nötig ist“, so Andreas Pap, der für die Vermittlung bei „der Lebenshilfe Vorarlberg zuständig ist. Für Anna Fetz, wie für die meisten Menschen mit Beeinträchtigungen, ist eine 50 Prozent Anstellung das, was an Arbeitszeit möglich ist. „Vier Stunden am Tag passen gut, mehr wäre mir etwas zu viel. Ich fahre mit dem Bus zur Arbeit. Ich wasche in der Küche ab und gebe auch das saubere Geschirr nach vorne. Mir gefällt alles und die anderen sind super. Und jetzt bekomme ich ein richtiges Gehalt“, freut sich die Dornbirnerin. 

Chance für Unternehmen

Aus Sicht der Lebenshilfe Vorarlberg gibt es in jeder Branche und jedem Unternehmen Tätigkeiten, die Menschen mit Behinderungen erbringen können. „Ich sehe mir gemeinsam mit dem jeweiligen Unternehmen an, welche Möglichkeiten es gibt. Danach wird geklärt, welche Person bringt die Fähigkeiten dafür mit und hat eventuell schon in der Werkstätte oder in Qualifizie­rungsprogram­men entsprechende Tätigkeiten erlernt. Ich kontaktiere auch Unternehmen, wenn wir Personen begleiten, die gerne in diesem Bereich arbeiten möchten“, beschreibt Andreas Pap den Ablauf.

Finanzielle Förderungen helfen dabei, dass integrative Arbeitsplätze für Unternehmen nicht zur wirtschaftlichen Belastung werden. Dazu unterstützen Mitarbeitende der Lebenshilfe Vorarlberg Menschen mit Beeinträchtigungen direkt am neuen Arbeitsplatz. Sie unterstützen auch die firmeninternen Mentorinnen und Mentoren, sodass nicht nur Menschen mit Beeinträchtigungen, sondern auch Unternehmen in jeglicher Hinsicht gut begleitet sind.

Voraussetzungen für die Umsetzung

Damit die Lebenshilfe Vorarlberg die Inklusion auch am allgemeinen Arbeitsmarkt weiter voran­treiben kann, braucht sie die Unterstützung der Unternehmen sowie des Landes. Denn alle Men­schen – mit ihren unterschiedlichen Stärken und Schwächen – sollen in Zukunft gleichberechtigt leben und arbeiten können.

Um die Forderung von „Gehalt statt Taschengeld“ umzusetzen, braucht es:

  • Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen am allgemeinen Arbeitsmarkt – Arbeiten wie andere auch
  • Arbeits- und sozialrechtliche Gleichstellung – angemessene Entlohnung und gesetzliche Kranken- und Pensionsversicherung
  • Individuelle Persönliche Assistenz, vor allem auch am Arbeitsplatz

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