Lebenshilfe-Festakt zu „50 Jahre Mitanand“

Anlässlich ihres Jubiläums lud die Lebenshilfe Vorarlberg gestern Abend (1. Juni 2017) zur Jahreshauptversamm­lung mit anschließendem Festakt in die Kulturbühne AMBACH nach Götzis ein. Moderatorin Martina Ess führte gemeinsam mit Selbstvertreter Siegfried Glössl durch das abwechslungsreiche Programm.

 Am Donnerstagabend wurden gleich vier Jubiläen gefeiert: 50 Jahre Lebenshilfe Vorarlberg, 10 Jahre Selbstvertretung, 10 Jahre Tanzhaus Hohenems und 50 Jahre Lebenshilfe Österreich. Zu Beginn ließen Lebenshilfe-Präsidentin Gabriele Nußbaumer und Landesrätin Bernadette Mennel die Entstehung des „Vorarlberger Chancengesetzes“ (2008) Revue passieren, das einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg hin zur Inklusion darstellt. Beide waren aktiv daran beteiligt. „Uns war wichtig, dass auch erstmals Menschen mit Behinderungen direkt mit einbezogen werden und sie selbst entscheiden können, was ihnen wichtig ist. Es war ihre Idee, es Chancengesetz zu nennen“, erinnert sich Bernadette Mennel. Auf die Frage was in Zukunft wichtig ist, erwidert die Lebenshilfe Präsidentin: „Als Interessensvertretung von Menschen mit Behinderungen sehen wir unsere Aufgabe auch zukünftig darin, die Umsetzung der Inklusion weiter voranzutreiben und Brücken in die Gesellschaft zu bauen. Die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Menschen, gerade mit hohem Unterstützungsbedarf, werden wir noch stärker in den Fokus rücken. Die Lebenshilfe Vorarlberg ist wie eine große Familie, in der das ‚Mitanand‘ wesentlich ist und so werden wir niemanden im Stich lassen.“ 

Wichtige Voraussetzungen für die Zukunft

Beim Festakt wurde ersichtlich, dass sich die Lebenshilfe Vorarlberg in den letzten 50 Jahren zu einer Menschenrechts­organisation entwickelt hat. Bei der Podiumsdiskussion sprachen der gewählte Selbstvertreter Klaus Brunner, Geschäftsführerin Michaela Wagner-Braito, Adriane Feurstein als Angehörige und Heinz Werner Blum als ehemaliger Lebenshilfe-Geschäftsführer über ihre Sichtweise eines engagierten „Mitanands“. Aus Sicht von Heinz Werner Blum war der größte Meilenstein: „Dass wir Menschen mit Behinderungen ins Selbstbewusstsein begleitet haben und dass die Selbstbestimmung aktiv gelebt wird. Für die Zukunft wäre richtig und sinnvoll, eine entsprechende Anwaltschaft im Land zu haben, die auf politischer Ebene den berechtigten Anliegen von Menschen mit Behinderungen mehr Nachdruck verleiht.“

Um die Inklusion auch in den nächsten Jahren weiter voranzutreiben, waren sich alle einig, sind wir alle gemeinsam gefordert. Dafür müssten sich aber laut Michaela Wagner-Braito noch wesentliche Voraussetzungen verändern: „Damit Menschen mit Behinderungen ganz selbstverständlich dazu gehören, müssen noch mehr bauliche, sprachliche aber auch Barrieren in den Köpfen abgebaut werden. Es sollten Arbeitsplätze am allgemeinen Arbeitsmarkt geschaffen werden, die eine angemessene Entlohnung sowie eine gesetzliche Kranken- und Pensionsversicherung ermöglichen. Unterschiedliche Wohnformen sollten Wahlmöglichkeiten bieten und individuelle persönliche Assistenz ist für ein selbstbe­stimmteres Leben entscheidend.“

Inklusiver Tanz und persönliche Einblicke

Für ein besonderes Festakt-Erlebnis sorgte das Tanzhaus Hohenems mit seinem neuen Programm und dem Flashmob zu „Can’t stop the feeling“. An die 300 Gäste wie Bischof Benno Elbs, Generalsekretär Albert Brandstätter (Lebenshilfe Österreich), ÖVP-Klubobmann Roland Frühstück, die Landtagsab­geordneten Nicole Hosp oder Martina Pointner, Bürgermeister wie Hausherr Christian Loacker, Peter Klinger (Caritas Vorarlberg), Arnt Buchwald (Schulheim Mäder) und viele weitere langjährige Kooperations­partner zeigten sich von der inklusiven Tanzgruppe begeistert. Für die musikalische Umrahmung des Abends sorgten die „Happy Drummers“ der Lebenshilfe-Fachwerkstätte Schwarzach und die „Soul Jackers“. Großen Applaus gab es auch anlässlich der Premiere des » Lebenshilfe-Films, indem neun Menschen einen persönlichen Einblick über das „Mitanand“ geben.

 

Die Lebenshilfe Vorarlberg

  • 1.000 Menschen mit Behinderungen werden von der Lebenshilfe begleitet
  • 829 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (in Köpfen), das sind etwa 570 in Vollzeit
  • Rund 600 ehrenamtlich und freiwillig Engagierte
  • 60 Standorte in ganz Vorarlberg
  • 1 Verein: Lebenshilfe Vorarlberg, Interessensgemeinschaft für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung (Interessensvertretung)
  • 3 GmbHs: Lebenshilfe Vorarlberg GmbH, Sunnahof Lebenshilfe Vorarlberg GmbH,
    IAZ Integratives Ausbildungszentrum Lebenshilfe Vorarlberg GmbH

Weitere Veranstaltungen zum 50-Jahr-Jubiläum

  • 23. Juni:  „Tag der offenen Werkstätten“
  • 17., 23., 24. September:  Stundenläufe – im Zeichen des Jubiläums