Von der „Beschützenden Werkstatt" zum modernen Dienstleistungsunternehmen

Im Jahr 1967 von betroffenen Angehörigen gegründet, hat die Lebenshilfe Voarlberg eine von Wachstum und Dynamik geprägte Geschichte hinter sich. In enger Zusammenarbeit mit dem Land Vorarlberg, mit der großartigen Unterstützung der Vorarlberger Bevölkerung und mit einem nicht zu bremsenden Engagament für die Anliegen von Menschen mit Behinderungen hat sich die Lebenshilfe Vorarlberg zu einem über die Grenzen hinaus Maßstab setzenden Dienstleistungsunternehmen in der Arbeit mit und für Menschen mit Behinderungen entwickelt.

1964 – Vorarlberger Behindertengesetz
Der österreichweit beispielgebende Aufbau des Behindertenwesens im Lande hat mit der Beschlussfassung des Vorarlberger Behindertengesetzes (1964) begonnen. Dieses Gesetz hat sich im Unterschied zu anderen umfangreicheren Gesetzen anderer Bundesländer überaus bewährt, weil es die Unterstützung von Dienstleistungen privater Einrichtungen gesetzlich absichert und äußerst unbürokratisch im Vollzug ist.

1967 – Gründung der Lebenshilfe Vorarlberg
Die Gründung der Lebenshilfe Vorarlberg als privater Verein fand am 12. Februar 1967 auf der Schattenburg in Feldkirch statt. Ein paar beherzte, von ihrer Aufgabe überzeugte Frauen und Männer - so die Herren Anton Stark, Alfred Simoni, Heinz Herkommer mit dem Präsidenten Dr. Franz Ender - mobilisierten die Eltern und Freunde geistig behinderter Kinder, um der Öffentlichkeit aufzuzeigen, dass deren Schicksal nicht allein Sache der Familie sein dürfe, sondern auch Anliegen der Gesamtgesellschaft werden müsse. Zwei wesentliche Ursachen waren dieser Vereinsgründung vorausgegangen: das Wiedererwachen eines starken "sozialen Gewissens" verbunden mit modernen Erkenntnissen der Medizin und der Pädagogik, sowie die im Vorarlberger Behindertengesetz 1964 formulierten Ansprüche auf Chancengleichheit von Menschen mit einer geistigen Behinderung.

Erste „Beschützende Werkstätten"
Noch im Herbst 1967 entstanden durch Initiative der Eltern in Götzis (1967) und in Bregenz (1967) Tagesheimstätten, die in der Bevölkerung damals als "Beschützende Werkstätten" bekannt wurden. Mit eigener Hand und mit sehr bescheidenen Mitteln mussten die Räumlichkeiten instandgesetzt werden, um nun die Menschen mit Behinderungen der Umgebung aufnehmen zu können. Diese ersten Mitarbeiterinnen waren Wiltrud Sturm, Paula König und Herta Rubner (1999).

Nach und nach entstanden in Dornbirn (1967, ab 2000 in Bau: Riedgasse), in Feldkirch (1968), in Lustenau (1968), in Bezau (1971, Neubau 1998), in Langenegg (1973, Neubau 1991), in Hard (1974), in Batschuns (1978), in Frastanz (1992), in Mittelberg (erstmals Mitte der 70er Jahre und dann wieder 1992) in Hörbranz (1993) in Hohenems (1996, Neubau 2000) und in Rankweil (1998) ebenfalls Werkstätten.

Erstes Wohnhaus im Jahr 1972
Das erste Wohnhaus wurde 1972 in Batschuns eröffnet. Die nächsten Wohnhäuser wurden in Rankweil (1979 bis 1989), in Bregenz (1982), in Dornbirn (1986), in Muntlix (1989), in Feldkirch-Nofels (1991), in Götzis (1991), in Hörbranz (1992), in Egg-Großdorf (1995), in Hohenems (1997) sowie in Lustenau (1996) eröffnet. Seit 2000 ist das Wohnhaus Göfis und das Wohnhaus Gisingen in Betrieb. 2002 wurde ein neues Wohnhaus in Hard eröffnet.

Eröffnung von Fachwerkstätten
Die Fachwerkstätte in Sulz eröffnete 1987. Ein Arbeitsplatz für Menschen mit Beeinträchtigungen, der sich näher an der Wirtschaft orientierte. Es folgten die Fachwerkstätten in Götzis (1992 - 1999), in Dornbirn (1993), in Feldkirch-Gisingen (1994), in Bregenz (1995) und in Batschuns (1999) und in Altach (2000). Die Kartonagenwarenerzeugung arbeitet seit 1998 im Gebäude der Stadtwerke Feldkirch. 2004 Übersiedlung der Fachwerkstätte Altach nach Hohenems, 2009 der von Bregenz nach Schwarzach.

Umstrukturierung 1998
Mit der Umstrukturierung und weiteren Professionalisierung der Lebenshilfe Vorarlberg im Jahr 1998 konnten die Aufgabenverteilungen und die Zuständigkeiten rechtlich klar geregelt werden. Der Verein Lebenshilfe Vorarlberg gründete zwei hundertprozentige Tochtergesellschaften, die Lebenshilfe gem. GmbH. und die Arbeitsintegrationges. gem. GmbH, später umbenannt in Ausbildungszentrum Vorarlberg. Es folgte die Gründung der Sunnahof GmbH im Jahre 2000 sowie eine inhaltliche Ausrichtung an Dienstleistungen vor Strukturen. Der Leitsatz "Menschen brauchen Menschen" wird geboren.

Auf dem Weg zur Inklusion
Nach einer Phase der dynamischen Dienstleistungsentwicklung machte sich die Lebenshilfe Vorarlberg im Jahr 2008 bewusst auf den Weg zur Inklusion. Die Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, die Personen orientierte und frei zur Wahl stehende Dienstleistung rückte noch mehr in den Mittelpunkt der Auftragserfüllung. Eine Stärkung der Selbstvertretung und des Ehrenamts, aber auch eine professionelle Öffnung von Strukturen und Dienstleistungen (Brockenhaus, lebens.ART, Kantine L, „Zielwärts"-Beratung, Kongress "Ich.DU.Wir.", Trialog etc.) waren die Folge und öffneten neue Perspektiven sowohl für Menschen mit Behinderungen als auch für die Lebenshilfe selbst.